„Nur wenn ich mutig genug bin, die Dunkelheit in mir zu untersuchen, werde ich die unendliche Macht meines Lichts entdecken.“

Einleitung

Es gibt Dinge, die ich mich nicht traue. Ich halte meine Meinung zurück. Ich schlucke, was ich sagen will. Ich gehe Menschen aus dem Weg, suche Ausflüchte, drücke mich. Und rede mir ein, das sei eben meine Art. Ist es nicht.

Ich spüre die Handbremsen. Nicht ein bisschen. Sie sind voll angezogen, während ich Gas gebe. Motor heult, Reifen qualmen, und ich komme nicht vom Fleck.

Dabei will ich aus vollem Herzen leben. Mein ganzes Potenzial. Ich habe richtig was zu bieten. Stattdessen funktioniere ich. Bin für alle da. Lächle. Von außen sieht das niemand. Das ist das Hinterhältige daran.

Ich habe mir Panzer zugelegt. Masken. Ein Lächeln, ein Schweigen, das nichts durchlässt. Als ich noch zu klein war, mich zu wehren.

Als der Vater brüllte und ich nicht wusste, wohin. Als die anderen in der Klasse lachten und ich im Boden versinken wollte. Als ich weinte und niemand kam. Da habe ich gelernt: Mach dich hart. Mach dich klein. Zeig nichts. Dann tut es weniger weh.

Es hat funktioniert. Mithilfe der Panzer habe ich die Kindheit überlebt. Und dann habe ich vergessen, sie abzulegen. Jetzt trage ich sie immer noch. Bei meiner Frau. Bei meinen Kindern. Bei den Menschen, die mich lieben wollen.

Dieselben Panzer, die mich damals gerettet haben, sperren mich heute ein.

Was den Schmerz draußen hält, hält auch die Liebe draußen.

Hinter meinen Mauern bin ich sicher. Und allein. Niemand kommt an mich heran. Keine echte Nähe. Keine Verbindung, die mich trägt. Ich sitze am vollen Tisch und esse trotzdem allein.

Ein Leben aus vollem Herzen. Tiefe Verbindungen. Liebe. Das gebe ich her – für die Sicherheit, nicht verletzt zu werden.

Ich stehe in voller Montur am Spielfeldrand. Helm auf, Visier zu. Und spiele nicht mit. Ich sitze auf der Ersatzbank und schaue zu, wie das Spiel ohne mich läuft. Was für ein lausiger Deal.

Das, was ich am tiefsten vergrabe, ist genau das, was mich mit anderen verbinden würde. Mein Licht. Darum geht es hier. Ich hole es raus. Ich will strahlen.

Ich schaue mir meine Panzer an. Einen nach dem anderen. Ich lerne die Angst kennen, die darunter sitzt – die Angst, mich zu blamieren, nicht zu genügen, rausgeworfen zu werden.

Ich frage mich, wessen Leben ich hier eigentlich lebe. Wer mir all die Erwartungen aufgeladen hat. Und warum mir nie jemand gesagt hat, dass ich gut genug bin. Einfach so.

Ich wage es, mich zu zeigen. Beim Bäcker, wo ich sonst nuschle und schnell wieder raus will – ich sage klar, was ich möchte. Im Meeting, wo ich meine Idee sonst runterschlucke – ich spreche sie aus.

Und bei dem Menschen, der mir am nächsten ist und vor dem ich mich am meisten verstecke – ich lasse ihn sehen, wie es mir wirklich geht. Was ich brauche. Was mich überfordert.

Ich nehme meinen Kleinen in den Arm. Das Kind, das gelernt hat, sich klein zu machen, damit es niemandem zur Last fällt. Und ich kapiere endlich den Unterschied zwischen dazupassen und dazugehören.

Eine Sache nehme ich sofort mit:

Diese Angst bin nicht ich. Ich habe sie gelernt.

Und was ich gelernt habe, kann ich verlernen. Nicht über Nacht. Eine Handbremse nach der anderen. Ich brauche dafür nicht zum Helden werden. Ich fange an. Heute. Egal womit.

Niemand wird kommen und das für mich tun. Auf mich habe ich gewartet. Ich bin auf meinem Weg. Ich vergleiche mich mit niemandem – außer mit mir selbst. Ich bin richtig. Ich mache das richtig gut.

Jetzt nehme ich die Taschenlampe und steige hinab in meinen Keller.